Aus der Praxis
Typische Installationsfehler in Trinkwasseranlagen
Legionellen haben fast immer eine technische Ursache. Diese Fotos stammen aus meinen eigenen Begehungen – sie zeigen, worauf es bei einer Risikoabschätzung ankommt.
Stagnation: Wenn das Wasser steht
Wasser muss fließen. Wo es über Tage stillsteht – in Totleitungen, ungenutzten Duschen oder langen Stichleitungen –, bildet sich Biofilm, in dem sich Legionellen vermehren.
Zurückgebaute Entnahmestelle – Leitung bleibt in der Wand
Das Waschbecken ist weg, die Anschlussleitung wurde nur verschlossen. In der verbliebenen Totleitung steht das Wasser dauerhaft und bildet einen Nährboden für Legionellen.
Abgetrennte Bestandsleitungen nicht zurückgebaut
Bestandsleitungen wurden abgetrennt, aber nicht bis zur letzten durchströmten Leitung zurückgebaut. Die abgeklemmten Abschnitte sind nicht mehr durchströmt – Stagnation.
Entleerungsleitungen mit langer Leitungsführung
Lange Entleerungsleitungen werden praktisch nie durchströmt. Das stehende Wasser kann die gesamte angeschlossene Installation verkeimen.
Gartenschlauch an der Trinkwasserverteilung
Ein dauerhaft angeschlossener Schlauch bedeutet Rückfließgefahr und Stagnation. Zusätzlich ist der Verteiler nicht totraumfrei ausgeführt und hat eine lange Entleerungsleitung.
Dusche als Kleiderablage
Wird eine Dusche zweckentfremdet, wird sie nie gespült. Das Wasser in der Zuleitung stagniert – und beim nächsten Duschen wird es vernebelt und eingeatmet.
Selten genutzte Entnahmestellen
Ausgussbecken und Zapfstellen in Nebenräumen werden kaum benutzt. Stagnation ist hier sehr wahrscheinlich – ein regelmäßiger Wasserwechsel muss sichergestellt werden.
Temperatur: Kaltwasser zu warm, Warmwasser zu kalt
Legionellen vermehren sich vor allem zwischen 25 und 50 °C. Kaltwasser soll deshalb unter 25 °C bleiben, Warmwasser ausreichend heiß sein. Ich messe bei jeder Begehung an den kritischen Stellen.
Verteiler nicht totraumfrei, ungedämmt im überhitzten Heizungsraum
Der Verteiler ist nicht totraumfrei ausgeführt. Ohne Dämmung im überhitzten Heizungsraum erwärmt sich das Kaltwasser zusätzlich.
Kalt, warm und Zirkulation in gemeinsamer Dämmung
Trinkwasser kalt, warm und Zirkulation laufen ungedämmt und anschließend in einer gemeinsamen Dämmung. Das Kaltwasser erwärmt sich, Warmwasser und Zirkulation kühlen ab – nicht zulässig.
Kaltwasser mit 21,2 °C
Für Trinkwasser kalt bereits zu warm, aber noch im zulässigen Grenzbereich unter 25 °C. Ein Warnsignal, das man im Blick behalten muss.
Kaltwasser mit über 25 °C
Hier ist die Grenze überschritten: Das Kaltwasser hat 24,8 bis 25,2 °C. In diesem Temperaturbereich vermehren sich Legionellen besonders gut.
Hausanschluss, Technikzentrale und Armaturen
Fünf Mängel auf einen Blick: der Hausanschluss
Was für Laien wie ein ordentlicher Technikraum aussieht, zeigt bei genauem Hinsehen gleich mehrere Abweichungen von den anerkannten Regeln der Technik:
- Umgehungsleitung mit zweitem Filter: keine ausreichende Durchströmung.
- T-Stück mit Flansch bzw. Absperrschieber: nicht durchströmt.
- Überdimensionierte Rohrleitungen: zu geringe Strömung an den Rohrwänden, fördert Biofilmbildung.
- Rückflussverhinderer nicht gewartet.
- Filterablaufleitung ohne sichtbaren Ablauf: kein freier Auslauf, Gefahr der Rücksaugung.
Technikzentrale mit Trinkwassererwärmung
Auch in modernen Technikzentralen finden sich bei einer systematischen Begehung regelmäßig Mängel – deshalb wird jede Anlage vollständig begangen.
Offene, stark korrodierte Armatur
Korrosion und Ablagerungen im Inneren von Armaturen bieten Biofilm und Legionellen ideale Lebensbedingungen.
Erkennen Sie Ihre Anlage wieder?
Viele dieser Mängel lassen sich mit überschaubarem Aufwand beheben – wenn man weiß, wo sie sind. Eine Risikoabschätzung zeigt Ihnen genau das.
Legionellenbefund auf dem Tisch?
Schicken Sie mir den Laborbefund per E-Mail oder rufen Sie an. Sie erhalten eine kurzfristige Rückmeldung zum weiteren Vorgehen und ein schriftliches Angebot.
